Baukunst in Baden
  Schloss Entenburg
 

Welch' kuriose Gestalt! Neuere Zeiten haben das spätgotische Wasserschloss nicht nur seines Wassergrabens beraubt, auch nämlich das einst prächtige Schloss zu einem merkwürdigen, durchaus markanten aber nicht mehr genuin schönen Bauwerk verstümmelt. Tierhaft skulptural, sich duckend, kauernd gleich einem angreifendem oder sich versteckendem Tier, liegt der Schlossbau "auf der Lauer". Was einst in den Händen der hier allgegenwärtigen Fürstenberger in Pfohren, einem Donaueschinger Ortsteil im Schwarzwald-Baar-Kreis zu sehen, hat seine ursprüngliche Anmut verloren, eingetauscht gegen eine neue Erscheinung, die über ihr wahrlich kurioses Gepräge durchaus ergreifen mag.
Der Kundige bemerkt sofort, dass hier kein originales Bild vorliegt, dass vielmehr die vier runden Ecktürme einst eigene Kegeldächer getragen haben müssen. Nunmehr aber wirft das mächtige Satteldach an den Ecken seltsam anzuschauende Verlängerungen über die entsprechend zurückgestutzten Rundtürmchen.
Die Abbildung zeigt die westliche Längs- und die südliche Querseite, die wie alle Ansichten geprägt von den hilflos überdeckten Ecktürmen.

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Die Entenburg ward spätestens 1471 vom Fürstenberger Grafen Heinrich VI. errichtet, indem sie in eben jenem Jahr als "hus zu Pforren" Erwähnung findet. Es war ein treffliches Gebäu, ein mächtiger rechteckiger Grundkörper, an der Querseiten vermutlich mit spätgotisch-zeitgemäßen und in der Baar noch bis ins 19. Jahrhundert beliebten Treppengiebeln versehen, und als Hauptzierde an den vier Ecke mit hohen Rundtürmen, deren gestalterische Selbstständigkeit von eigenen Zeltdächern befördert. Um die Niederungsburg herum sicherte man zweifellos durch einen breiten Wassergraben. Von solcher Anmut das Schloss, dass es sogar einen Kaiser beherbergen durfte: 1507 verbrachte Maximilian I. hier gleich drei Tage bei seinem Hofmarschall Graf Wolfgang von Fürstenberg. Und 1510 wiederholte der Kaiser seinen Besuch.
Aber der Stern begann schon bald zu sinken, indem das Schloss 1567 nur noch als Zehntscheuer dient. Über drei Jahrhunderte jedoch sollte es noch dauern bis zur bösen Verstümmelung, welche 1871 "vor nichts zurückschreckte".
Das Schloss ist oben per Süd- (links) und Nordansicht (rechts) wiedergegeben. Die Nord- ist zugleich die Eingangsseite, die sich durch ein großes Rundbogentor bemerkbar macht.
Was u.a. am Schloss vermutlich verloren gegangen, der Treppengiebel, ist in Pfohren noch an mehreren historischen Bauwerken zu bewundern, machte nicht einmal vor dem Glockenturm von St. Johannes dem Täufer halt (mittlere Abbildung). Sein altes Langhaus hat der Turm indessen verloren und muss sich mit einem modernen begnügen.

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Für die links abgebildete Südseite gilt das gleiche wie für die anderen drei Seiten: von originalen Details, vornehmlich als zu erhoffende Öffnungsrahmen ist nur noch wenig zu gewahren. Mag man darin die Vollendung des Verstümmelns erblicken.
Die beiden ergänzenden Fotos zeigen zwei Exemplare von Treppengiebel-Wohnhäusern. Das sehr schöne Stilmittel, in der Umgegend so häufig zu sehen (schöne Stadt-Beispiele bedeuten Bräunlingen und Löffingen), hauchen auf einfache Weise Stattlichkeit und herbe Schönheit ein, wie sie vornehmlich für das späte Mittelalter typisch, in der Baar als eine bedeutende Ausnahme aber noch Jahrhunderte weiter wirken durften. 
Diese leisten auch in Pfohren nette Ergänzung zur Hauptsehenswürdigkeit der Entenburg: suche man in ihr keine Schönheit, aber ergötze man sich an der Kuriosität der Erscheinung.

Quellen
1) die Bauwerke selbst - Stilmerkmale
2) Dr. Emil Lacroix und Dr. Heinrich Niester "Kunstwanderungen in Baden", Chr. Belser Verlag Stuttgart, Ausgabe 1959
3) Wikipedia-Artikel Burg Entenburg
4) Website www.burgenwelt.de/entenburg
5) örtliche Informationstafel

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