Baukunst in Baden
  MODERNISMUS-KRITIK 2
 

Skyline in Lahr        

WIDER  DEN  MODERNISMUS   TEIL II

Der aufmerksame Geist begreift Revolutionen immer nur als spektakuläre Endpunkte lange und gerne im verborgenen wirkender Evolutionen. Reichlich Vorarbeit ist also immer von Nöten; mögen denn die ‘unzeitgemäßen Brocken’ das ihrige beitragen, ein Mosaikstein-Wesen treiben.
Es wollen ja doch, ja es müssen ja neue Zeiten kommen; so jedenfalls die unerbittliche Lehre der Geschichte. Die unaufhaltbare Überbevölkerung, der (größen-)wahnsinnige Energieverbrauch (der zusammen mit ersterem schon jetzt sprichwörtlich hungern lässt - “natürlich” wieder die Allerärmsten), und die sich von “Tag zu Tag” deutlicher abzeichnenden und immer kritischer bewerteten Klimaveränderungen, sie verheißen Veränderungen, vermutlich gewaltige Veränderungen. Die hochsensiblen Finanz- und Arbeitsmärkte, sie rühren sich schon “wenn in China ein Sack Reis umfällt” - und den pseudo-demokratischen (warum klafft denn die Schere zwischen arm und reich immer weiter auf? der Bevölkerung Willen?) Kräften des Westens braucht man nichts zutrauen, wo schon die kleinste Reform nicht nur immer zu Lasten des “kleinen Mannes”, sondern immer der größte und langwierigste Kraftakt.
Stoff genug also für Umwälzungen, die vielleicht sogar das 20. Jahrhundert übertreffen werden. Mit dem alten aber stürzen gerne auch die alten Konzepte; wie z.B. die Abbildung der geistigen Verhältnisse, die gebaute Abbildung, der Modernismus.
Mit der endgültigen “Überwindung” des Mittelalters durch die Aufklärung, mit der zunächst schleichenden Ablösung des christlichen Wertekanons wurde und wird seit Beginn des 19. Jahrhunderts ein “neuer” Mensch propagiert und in immer neuen Varianten auch geschaffen. Nationalsozialismus (Faschismus) und Kommunismus (Stalinismus) waren hierbei nur nicht lebensfähige Extremexemplare (Darwinismus) der allgemeinen Tendenz. Sexualität hat die Liebe ersetzt, Dauer-Ablenkung den nach Innen gerichteten Blick, Oberflächlichkeit die zu begreifenden Wurzeln - das ist der aktuelle Status des Menschen im Westen. An den “Hebeln” unserer Mediengesellschaft wirken die Kräfte, die nur noch um materiellen Gewinn wissen; alle Bemühungen gelten einem Selbstverständnis, das im materiellen Konsum die Erfüllung findet. Da stören “Relikte” wie Moral und Tugend, das innere Glück.
Außen reich und glänzend, innen arm und vernachlässigt? “Spaßkulturen” hat unser Planet schon viele gesehen, allzu lange überlebt hat keine von ihnen. So sind unsere geistigen Verhältnisse gleichsam Spiegelbild der äußeren Bedrohungen. Ein lustiger Zufall oder der “Gang der Dinge”?
Aller Verfall, alle Dekadenz des “neuen” Menschen musste, wie in jeder Epoche zuvor, in seiner Umwelt das gebaute Echo finden. Alle Hässlichkeit der Moderne, reflexartig rhetorisch übertüncht, von allem Anfang an. Wer nur ein wenig an der Oberfläche kratzt, fällt in höllenartige Untiefen: alleine in Deutschland Millionen Alkoholkranke, Zighunderttausende, die verschiedensten Drogen erlegen, mehr Suizide als Verkehrsopfer, Kinderpornographie, die zerrüttete Ehe als Normalfall (mit den Kindern als Hauptopfer der “Auflösung der Familie“), usw. Wie hat es dazu kommen können; war das das Anliegen der Aufklärung; und was ist daran besser als das “dunkle” Mittelalter?
“Denn man verdient wenig Dank von den Menschen, wenn man ihr inneres Bedürfnis erhöhen, ihnen eine große Idee von ihnen selbst geben, ihnen das herrliche eines wahren edlen Daseins zum Gefühl bringen will. Aber wenn man die Vögel belügt, Märchen erzählt, von Tag zu Tag ihnen forthelfend sie verschlechtert, da ist man ihr Mann.” Das hat uns der blitzgescheite Goethe mitgegeben. Und wahrlich, Lügen werden erzählt, die geistigen Verhältnisse verschlechtern sich von Tag zu Tag.
All dieses aber musste sich in unserer gebauten Umwelt manifestieren. Und so stolpern wir durch abstoßende Neustädte, rutschen unsere Blicke über belanglose Baukörper, haben wir am Ende von Kultur überhaupt keinen Begriff mehr.

In den folgenden Abschnitten geht alles von statten wie aus dem ersten Teil ('unzeitgemäße Brocken 1') bekannt und unerwartet populär geworden. Unzeitgemäß und doch populär - auch das vermag unsere Epoche!? Ein Danke allen Lesern und besonders den "Verbreitern"!
Das Geschreibe ward demnach wiederum den 'Wanderungen' entnommen, um nicht zu wiederholen freilich dem 'Zweiten Band' - und das noch aufschlussreichere einfach unserer gebauten Umwelt, wie es einem an jeder Ecke vor Augen. Habe man also als Spaßgesellschaftler seinen Spaß oder als Nachdenklicher seine Erkenntnis an dem neuerlichen "Kuriositäten-Kabinett", das alleine auf Exklusivität keinen Anspruch erheben darf.












 
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