Baukunst in Baden
  Au Kirche (49)
 


ein Bild
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Sankt Andreas in Au am Rhein (Landkreis Rastatt)   /   Johann Ludwig Weinbrenner   /   1838-39

Die Region um Rastatt zeigt eine treffliche regionale Eigenart der Weinbrennerstil-Kirchen Badens. Hier findet man ungewöhnlicherweise gleich sechs Gotteshäuser, welche roten Sandstein als Sichtmauerwerk einsetzen: in Durmersheim, Iffezheim, Malsch, Ötigheim (alle Sammlung '2'), in Achern (Sammlung '1') und eben auch in Au am Rhein. Der Großteil dieser Bauwerke wurde von Johann Ludwig Weinbrenner, dem Neffen des bedeutendsten badischen Baumeisters Friedrich Weinbrenner ausgeführt.
     Und seiner Gewohnheit gemäß hat er auch Sankt Andreas ein gewichtiges individuelles Element eingebaut. Der geübte Betrachter hat es auch längst schon gewahrt: die Stellung und auch Gestaltung des Dachreiters. Spricht man von einem Dachreiter, so hat man ein Gotteshaus des badischen Klassizismus sogleich dem tertiären Grundprinzip zugeordnet, welches im Gegensatz zum primären und sekundären Grundtyp zugunsten eines Dachreiters auf den üblichen Kirchturm verzichtet, einhergehend immer auch mit einer reduzierten Größe des Kirchenschiffs.
Weinbrenner aber schiebt hier den immer ein wenig abgerückten Dachreiter soweit nach vorne wie möglich, damit in die Flucht der Eingangsfassade. Nicht nur werden die beiden damit unmittelbar zusammengebunden, auch entfällt die sonst übliche markante Spitze des Giebels. Die resultierende Figur ist ohne weiteres ein ansehnliche, geprägt von einem gesteigerten vertikalen Zug: der Schräggeison führt direkt auf den Dachreiter zu.
     Auch der Dachreiter selbst ist eines zweiten Blickes Wert. Zunächst fällt seine Größe auf. Diese nämlich führt über die gewohnte Ausdehnung dieses Gebäudeteils deutlich hinaus, nähert sich gar schon Turmgröße an. Damit steht endgültig fest, dass der Dachreiter nicht einfach nur die Gesamtkomposition formal abschließen soll — nein, vielmehr setzt er den entscheidenden Akzent des Entwurfes. Dazu passend nämlich auch die konkrete Ausgestaltung — welche dieses Bauteil entschieden als das edelste des gesamten Gotteshauses ausweist (ohne den Innenraum zu betrachten).
     Auf einen Würfel, der gleichsam als Sockel fungiert, folgt das Glockengeschoß. Die vier Fassaden sind identisch. Zunächst wird das jeweils angenäherte Quadrat von einem nach vorne tretenden Streifen gerahmt. In jenem Feld dann die beiden Schallöffnungen: längliche Rundbogenfenster, welche separiert von einer sehr schön anzusehenden Rundsäule. Diese steht ihrerseits auf einem kleinen Sockel und trägt die beiden Rundbögen nach innen ab. Die letzte Veredelung dieser Komposition liefert der jeweilige Dreiecksgiebel, der alle vier Seiten formal trefflich abschließt. Den letzten Akzent des Baukörpers dagegen liefert das steil aufstrebende Zeltdach, welches denn mit einiger Dynamik — fast möchte man sagen mit Eifer — das heilende Kreuz Christi präsentiert.

Die Fortsetzung des Artikels steht nicht mehr zur Verfügung.
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