Baukunst in Baden
  Kehl Kirche (42)
 

ein Bild

Evangelische Christuskirche in Kehl (Landkreis Ortenau)   /   Friedrich Weinbrenner   /   1822

Die Kunst des formalen Minimums. Sehe man im Kehler Gotteshaus getrost ein Vorzeigebeispiel - zu nennen in einem Atemzug mit den Kirchen in Renchen (Sammlung '2', gleichfalls von Friedrich Weinbrenner) und in Ichenheim (Sammlung '2', vom talentierten Schüler Hans Voss). Die Kunst des formalen Minimums, das bedeutet: "bis hierhin und keinen (Detail-)Schritt weniger".
     Nicht ferne vom Kehler Rathaus, einem trefflichen Werk des (Neo-)Weinbrennerstiles (Sammlung '1'), an einer platzartigen Aufweitung strahlt die bleckend weiße Christuskirche dank ihrer primären Grundkonzeption — das heißt für die Kirchen des badischen Klassizismus, dass der Turm auf der Vorderseite — reichlich kraftvolle Wirkung und Monumentalität aus. Die Baukörper scharf geschnitten, kristallin. Der Turm also durchschneidet die Vorderseite des Langhauses, tritt dynamisch in die Höhe. Sein Unterbau, 1822 gleich einem Hahnenschrei moderner Architektur, nichts als ein scharf geschnittener Quader, senkrecht stehend. Auf diesem aufsitzend, dabei deutlich zurückweichend, das seinerseits wie ein würfelartiger Baukörper erscheinende Glockengeschoß, welches denn vom pyramidalen Dachkörper abgeschlossen.
     So weit, so monumental — aber auch: so weit, so (noch) nicht ausreichend. Bis zu diesem Zeitpunkt hat man eine Komposition, welche noch jenseits der Kunst des formalen Minimums, welche gleichsam noch im zum Erbauungszeitpunkt freilich noch nicht geborenen Hades modernistischer Missverständnisse. Jene aber sollten noch hundert Jahre warten müssen, Anfang des 19. Jahrhunderts fand sich die Bautätigkeit weiterhin im Gleichgewicht mit der Baukunst. Und niemand geringeres als Friedrich Weinbrenner schritt also zur dringend notwendigen Detailanbringung.
     Wenige Details genug, ausreichend aber um den Sprung in die Baukunst noch sicher zu schaffen — und, sehr wichtig, durch die spärliche Anzahl von Details die reine Wirkung der monumentalen Konzeption nicht im geringsten zu stören. Ein ganz und gar ausgewogenes Bild kam hier zum Stehen: monumental und kraftvoll und mit ausreichend (Detail-)Luft um dem Betrachter das ästhetische Atmen zu gewähren.

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