Baukunst in Baden
  Neudenau
 


ein Bild

Neudenau zeigt ein Stadtbild, das irre machen will — welch’ Bruch innerhalb ein und desselben Altstadtkörpers, in Baden ganz ohne Parallele! Wohl mag man in badischen Landen um zahlreiche Beispiele wissen, die scharfe Risse zwischen kunstvollen Altstadtkörpern und den rein funktionalen anti-ästhetischen, dafür umso größeren Erweiterungen des 20. Jahrhunderts vor Augen stellen. Solch’ Differenz aber, mit einer schwindelerregenden “Abbruchkante” innerhalb eines einzigen Altstadtkörpers, das zeichnet ein Ereignis sehr besonderer Art. Hat man aber das Herz Neudenaus gewonnen, den Marktplatz, ein Raumgefüge in dem Auge angenehmer, mittelalterlich-unregelmäßiger Grundform, welches von einer Anzahl erbaulichster Fachwerkhäuser konstituiert, dann trifft man auf ein kraftvoll schlagendes Herz, das so gar nicht zu dem ansonsten gar jämmerlich zerschlagenen Körper der Altstadt passen will. Das eben das Stadtbild, der Kontrast, der irre macht.
    Wahrlich, hat man sich durch die auch für Neudenau gültigen Ausuferungen des 20. Jahrhunderts gekämpft; die ersten Altstadtstraßen und Gassen gesichtet, die zu gleichen Teilen von Vernachlässigung, bereits anonymen Bauten des 19. Jahrhunderts und “erfolgreicher Sanierung” geprägt sind, dann wird das betrachtende Auge von der bedeutenden Schönheit des Marktplatzes beinahe im Stile eines Wunders zu neuem Leben erweckt. Auch der umgekehrte Fall müsste aufs gewisseste ergreifen; mit verbundenen Augen auf jenen Freudenplatz geführt, um alsbald den umgedrehten Weg einzuschlagen, so wähnte man sich ganz unvermittelt aus den Armen lieber Freunde in die Fäuste von Dieben und Verbrechergesindel. Und man muss tatsächlich in solchen Kategorien denken, will man Neudenaus “Abbruchkante” zwischen Marktplatz und sonstiger Altstadt mit Worten irgendwie veranschaulichen. Jener Kontrast, verwirrend, aber auch entschieden aufmerksam machend, weil einmal mehr die Fertigkeiten unserer Altvorderen so deutlich über dieselben des 20. Jahrhunderts erhebend, sei an dieser Stelle jedem anempfohlen!
     Tritt man also in das liebliche Jagsttal, welches sich nach langer Wanderung endlich auf halber Höhe zwischen Mosbach und Heilbronn in den Neckar schlängelt, dann misse man nicht diese neben Krautheim einzige städtische Dependenz Badens am genuin württembergischen Fluss. Wie man sich denken mag, war auch diese landschaftliche Situierung einst von bedeutendem Reiz. Ein aussagekräftiges Gemälde der 1840er zeichnet die Stadt, noch sorgsam durch Stadtmauer definiert, gar anmutig über den Fluss, an die bisweilen steil abfallende Talwand. Dieses malerische Bild aber wurde durch die Expansionen des vergangenen Jahrhunderts fast gänzlich getilgt. Wie eben allerorten ward Wachstum nicht mit einem bis ins 19. Jahrhundert selbstverständlichen Zugewinn an Schönheit verbunden, sondern hat immer das Ratlos-Undefinierte fressender Krebswucherungen.

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