Wie furchtbar wütete doch das 17. Jahrhundert in Baden; durch den ausmergelnden, mordenden und pestführenden 30jährigen Krieg von 1618-48 und die auslöschende Drangsal ab den 1670ern, im blutbefleckten Gewand zunächst des Holländischen Krieges, dann ab 1689 des Pfälzischen Erbfolgekrieges! Der größte Teil des (später) badischen Territoriums lag vollkommen danieder, sprichwörtlich in Schutt und Asche, unter erschreckendem Bevölkerungsverlust. Und das arme Willstätt, einer der drei Hauptorte der Besitzung Hanau-Lichtenbergs, musste gar als ein "Vorzeigebeispiel" herhalten. Schon der 30jährige Krieg hatte den befestigten Ort zweimal niedergestreckt; ein Schicksal, das sich 1688/89 nochmals wiederholte und diesmal auch das hiesige wehrhafte Schloss mit sich riss.
Letzteres war noch ab 1675 zu besonderen "Ehren" gekommen, als der berüchtigte französische General Turenne, einer der obersten Brandschatzer in Diensten des "Sonnenkönigs", während des Holländischen Krieges ausgerechnet hier sein Hauptquartier aufschlug. Rund ein Jahrzehnt später fand sich das Juwel des im Jahre 1232 erstmals genannten Willstätt in trauriger Nachhaltigkeit ruinös. Da nutzte selbst alle beeindruckende Verschanzung, wie sie vor allem das 17. Jahrhundert um Willstätt, noch konsequenter um den lichtenbergischen Amtssitz gelegt hatte — das Renaissance-Wasserschloss kam in einen barocken Festungsstern — nicht das mindeste. Ende des 17. Jahrhunderts war das alte Willstätt, das Willstätt, welches der berühmte Matthäus Merian in einem Kupferstich einige Jahrzehnte vorher festgehalten hatte, vollständig untergegangen.
Und so hat das heutige Bild Willstätts, außer dass die Kinzig wie eh und je vorüberströmt, nicht mehr das mindeste gemein mit der spätmittelalterlichen Blüte dieses Ortes. Nicht ferne von Offenburg stand Willstätt durch die Anlage einer Tiefburg spätestens im frühen 14. Jahrhundert, welche zweihundert Jahre später zu einem Renaissance-Schloss veredelt wurde, immer in besonderer Gunst der jeweiligen Besitzer: ab dem 13. Jahrhundert die Lichtenberger (man erhielt die Besitzung vom Straßburger Bischof), seit 1480 durch Erbgang das Haus Hanau-Zweibrücken, und von 1736 bis schließlich 1803 die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt (wiederum als Erbe). Das gleichfalls befestigte und mit Schloss versehene Lichtenau und das in Richtung Kehl gelegene, recht nahe Kork machten die anderen beiden Hauptorte dieser nicht kleinen ortenauer Länderei, die sich längs des Rheines zwischen Lichtenau im Norden und Willstätt im Süden erstreckte. Ob der 250 Jahre Besitzerschaft des Hauses Hanau kam diese Gegend bis heute zu dem malerischen, durchaus aber auch irritierenden Namen: Hanauerland. Selbst viele Badener möchten solche Bezeichnung gerne um die hessische Stadt Hanau und eben nicht in Mittelbaden vermuten.
Jenes Hanauerland aber vermochte einem nicht geringen Anteil seiner Ortschaften die historische Ansehnlichkeit gar bis ins 21. Jahrhundert zu überliefern (siehe Beitrag "Hanauerland" im Band ‘2’). Das gilt auch für das schon genannte Dorf Kork (ebenfalls Band ‘2’), und das besitzt uns nicht weniger Gültigkeit für Willstätt!
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