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Eine Besichtigung der Burg Hohenbaden, auf ihre Weise die schönste der badischen Burgruinen, nutzte der Autor gleichzeitig zum Besuche der nahegelegenen Burg (Alt-)Eberstein. Zwar besteht trotz der Nähe untereinander keine Blickverbindung — von der Rheinebene aus aber lassen sich die Burgen in einem erfassen, was besonders reizvoll wenn dieselben von der Abendsonne beschienen sich umso deutlicher aus der umgebenden Bewaldung "herausschälen".
Der Weg von Hohenbaden zu Eberstein darf als eigenes Schauspiel gelten, denn zumeist läuft man unter den steil aufragenden, skurril verzerrten Battertfelsen und ihren zum Teil riesigen Geröllbrocken. Wo immer die sich ständig ändernde Formation dem Bewuchs eine Chance lies, streben Bäume empor, mitunter auffällig vereinzelt, beinahe skulptural, das natürliche Szenarium vollendend. Der lange Prospekt besitzt dergestalt seltenes Aussehen, dass man es für ein von riesenhafter, wie geschickter Hand künstlich angelegtes Arrangement halten will. So jedenfalls dem wenig geübten Auge, einem in felsigem Gebirge beheimateten Menschen wäre solcher Anblick gewiss profanste Normalität.
Anschließend hat man noch eine Strecke unaufgeregten Waldweges, bis es schließlich bergab und durch den Ort Ebersteinburg geht. Dieser, wenig ansehnlich, trübt leider die vorherigen Eindrücke — immerhin, ein alter gotischer Kirchturm sendet aufrichtige Grüße. Auch zieht Burg Eberstein, welche vom Dorfe aus betrachtet wieder in einiger Höhe, die neugierigen Blicke ohnehin auf sich. Sie ziert die Spitze des von ihr eroberten Berges, strebt noch deutlich über die umschließenden hohen Bäume hinaus. Ein ergreifendes Bild, der Bergfried als rohester steinerner Kubus, künstlich und doch natürlich, die natürliche Umgebung durch die erhöhte Stellung wohl regierend, nicht aber unterjochend. Er zeigt was er ist: Felsgestein, Natur durch Menschenhand zu einem künstlichen Werke geformt. Jene Natur erst, sein innerstes Wesen also, adelt die Erscheinung. Das Bauwerk, durch sein Wesen selbst mit seiner Umgebung verbunden, wiewohl über dieselbe erhoben vollendet die Natur. Sein Erschaffer ist der Mensch.
Wie der Mensch selbst Bestandteil der Natur, der Schöpfung, an ihrem Endpunkt nach göttlichem Willen diese vollendet, so das dem gemäße Werk aus der Hand des Menschen, der Auftrag des Menschen! Mache er sich die Erde untertan, bevölkere er sie, schaffe er selbst neues. Das Neue aber, wiewohl immer künstlich, von der Natur verschieden, vielleicht auch wie die Menschheit über sie erhoben, darf nie vergessen, dass es selbst Teil der Natur. Erfüllt das Neue seinen Auftrag, so werden Schönheit und Anmut überreicht, gibt der Mensch das Wesen der Natur wieder, welches immer und überall von durchwirkender Schönheit. Verzichtet dagegen das Neue darauf, verwirft der Mensch, was ihm von frühesten Zeiten eingegeben, was über Jahrtausende gewachsen, so stampft er Widernatürliches aus dem Boden, unterjocht er die Natur indem er sie negiert, ja ihre Zerstörung billig in Kauf nimmt. Das Werk des Menschen steht nun wider die Natur und indem es die Natur für nichts nimmt, zerschneidet es das verbindende Band, die Schönheit.
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