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Der Pulverdampf war kaum verzogen; der Frieden immerhin schon geschlossen. Der Frieden von Rijswijk 1697 beendete den 9jährigen Pfälzischen Erbfolgekrieg, die vor allem für Baden furchtbarste Zerstörung. Zwischen Mannheim (inklusive) und Freiburg (exklusive) hatte Frankreichs Sonnenkönig Ludwig XIV eine Politik der verbrannten Erde befohlen, welche getreulich ausgeführt von seinen Generälen — sämtliche Städte, beinahe jedes Dorf waren sprichwörtlich wie systematisch in Schutt und Asche gelegt. Zwar lies man die Bewohner in aller Regel vor der Zerstörung abziehen, die Existenzgrundlagen aber der unzähligen Menschen entzog man ohne jedes Erbarmen. Für diese Region war es der schlimmste Anschlag, schlimmer noch als der 30jährige Krieg, auch als der Zweite Weltkrieg.
Ein Ungeheurliches, ein Novum ob der Gründlichkeit und Konsequenz. Europa war empört, in Frankreich selbst mehrten sich die kritischen Stimmen über eine Gräueltat, welche wohl militärisch begründet, indem man zwischen Frankreich, das in Europa tatsächlich bedenklich isoliert, und dem Deutschen Reich eine Art Pufferzone (freilich auf deutschem Boden) gleich einem Niemandsland anlegen wollte, alleine die eingesetzten Mittel (blinde Zerstörungswut) konnten auch durch diesen Zweck niemals geheiligt werden. Die Unbotmäßigkeit des Vorgehens steigerte nur den Verteidigungswillen des Reiches, so dass die französische Kampagne schnell stecken blieb, über das Territorium des späteren Baden kaum hinauskam. Spätestens vor diesem Hintergrund lies die vollständige Zerstörung auch in Frankreich Zweifel, gar Scham gedeihen. 1697 der Frieden von Rijswijk.
Der Überlebenswillen der zerschlagenen, ruinierten Fürstentümer immerhin war ungebrochen — allesamt drängten auf Wiedergeburt: allen voran die Kurpfalz, das Bistum Speyer, die Markgrafschaft Baden-Durlach, die Markgrafschaft Baden-Baden. Im folgenden der letzteren Geschichte.
Die prächtige Hauptstadt Baden-Baden mit dem noch prächtigeren Schloss existierte nur noch als Ruinenwelt. Auch die anderen wichtigen Städte Ettlingen und Gernsbach lagen danieder, am Ende auch der letzte Rückzugshort Schloss Eberstein. Desgleichen die Dörfer, darunter die wichtigen Marktflecken Bühl und Rastatt, welche nur noch dem Namen nach existierten. Von der ungeheuren Not der damaligen Bevölkerung hat man keinerlei Begriff.
An der Spitze des Landes aber stand ein Mann, dessen Name Anlass zur Hoffnung gab. Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden, weit besser bekannt unter seinem lustig klingenden, aber bestens gewählten Spitznamen "der Türkenlouis", seines Zeichens einer der größten deutschen Militärhelden, der bedeutendste badische allzumal!
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Für das Deutsche Reich, das lange schon unter habsburgisch-österreichischer Hegemonie, vor allem also für den Kaiser in Wien führte er ein große Anzahl von Schlachten gegen den neben Frankreich größten Feind, das Osmanische Reich. Angetrieben von ihren Sultanen waren die Osmanen machthungrig in Europa eingedrungen, verschlangen den Balkan förmlich, standen schließlich gar vor Wien. Man warf sie glücklich genug zurück. Dennoch wollte das Pendel lange genug nicht zugunsten Habsburgs ausschlagen. Das Osmanische Großreich, das im Süden bis nach Ägypten und Arabien reichte, trat als gewaltige Bedrohung auf, Gleichwertigkeit zumindest hatte man lange Zeit zu bescheinigen. In dieser Phase arbeitete sich Markgraf Ludwig Wilhelm bis ganz an die Spitze der deutschen Truppen und war entscheidend daran beteiligt, dass jenes Pendel doch mehr und mehr die gewünschte Tendenz zeigte. Wenn man so will, nahm sich der Markgraf die Rolle eines entscheidenden Vorbereiters, ohne welchen der weit bekanntere Prinz Eugen von Savoyen, allgemein als der Türkenbezwinger gesehen, heute wohl kaum ein solcher Begriff wäre.
Also gegen die Osmanen fechtend hatte Ludwig Wilhelm hilflos zusehen müssen, wie sein unverteidigtes Land von des Sonnenkönigs Truppen erobert und alsbald zerstört wurde. In der ganzen Region Nordbaden bis hinauf nach Köln verfügte das Deutsche Reich, welches ja aller seiner Kräfte gegen die osmanischen Sultane bedurfte, nirgendwo über nennenswerte Verteidigung. Deshalb vor allem konnte der listige Invasor, verbunden mit dem besten aller Bündnispartner, dem Momente der Überraschung, derart schnell vollendete Tatsachen schaffen: binnen weniger Monate war das Ruinierungswerk vollbracht.
Freilich wollte der Sonnenkönig mehr. Das Deutsche Reich, händeringend, musste umgehend reagieren um das weitere Vordringen der damals schlagkräftigsten Armee Europas irgendwie aufzuhalten. Aus allen Winkeln Deutschlands kratzte man letzte Reserven zusammen, alleine ein geeigneter Oberbefehlshaber der bunt gescheckten Truppen fand sich zunächst nicht. So lange jedenfalls bis man den Türkenlouis (der erste Teil des Spitznamens sollte nunmehr einleuchten) ins Spiel brachte. Sein Ruf eilte ihm ohnehin voraus, flößte auch den französischen Generälen ohne weiteres gehörigen Respekt ein. Seinem Talent also traute man zu, die divergierenden Interessen der verschiedenen Verteidiger (auf sie kann hier nicht eingegangen werden) zu bündeln, eine unverzichtbare Notwendigkeit nämlich, die seine Vorgänger schuldig blieben. Außerdem war sein fürstliches Territorium ja ein Hauptschauplatz des Krieges, das gesamte Gelingen also überlebensnotwendig auch für seine Markgrafschaft. Ob letzteres für jemanden von Bedeutung, der auch weit entfernt von zuhause überaus entschlossen agierte, kann wohl bezweifelt werde; eines jedoch fand man gewiss, nämlich die Bereitwilligkeit des Türkenlouis sich des ungemein schwierigen Unternehmens anzunehmen.
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Ludwig Wilhelm also trat nur allzu gerne an. Und ihm gelang das Kunststück. Er versammelte die immer nur zögerlich aus — beinahe möchte man sagen — aller Herren Länder eintreffenden Truppenteile zu einer schlagkräftigen Armee. Schlagkräftig jedoch einzig im Sinne defensiver Qualität. Die französischen Verbände nämlich befanden sich so gut wie immer in Überzahl, besser ausgerüstet ohnehin — die modernste Armee des Kontinents. Um seine Linien nicht zu gefährden, welche im übrigen zurückgezogen mehr in Württemberg als in Baden, musste er manch noch unzerstörte Stadt, allen voran die kurpfälzische Hauptstadt Heidelberg, nur halbherzig verteidigt preisgeben. Bis auf wenige Ausnahmen konnte das Ziel lediglich im bloßen Standhalten liegen — dieses Unterfangen aber ward bestens eingelöst. Freilich war diese Form des Krieges für Ludwig Wilhelm nirgends mit den von ihm gewohnten siegreichen Schlachten verbunden.
Dieser Umstand vor allem, obwohl an Unverständnis, ja Ungerechtigkeit kaum zu überbieten, prägte zunehmend sein öffentliches Bild. Damals (wie auch heute noch) fand die Öffentlichkeit weit mehr Gefallen an erfolgreichen Eroberern als an erfolgreichen Verteidigern. Ein Sieg ist das Neue, das Aufregende — ein Halten dagegen nur ein Halten des Status Quo, das Alte eben; wer`s genau bedenkt kann darüber nur den Kopf schütteln, wie alles nur am Effekt der Sensation gelegen. Ludwig Wilhelm zeigte sich an der Heimatfront keinen Deut erfolgloser als gegen den osmanischen Sultan, eher muss man eingedenk der Schwierigkeiten, denen zum Trotz er die schlagkräftigste Armee Europas aufhielt, von einem gar noch größeren Verdienst sprechen. Der Frieden von Rijswijk jedenfalls fand sich von der Unüberwindlichkeit der Verteidigungslinien deutlich befördert.
Der Stern des Markgrafen aber sank. Bald nach Beendigung des Pfälzischen setzte ab 1701 der Spanische Erbfolgekrieg ein. Ludwig Wilhelm blieb am Oberrhein, Verantwortung aber entzog man ihm mehr und mehr; erst recht nach einer Verwundung, deren Heilung sich schleppte. 1707 schließlich, der Markgraf kaum älter als fünfzig, geschwächt wie enttäuscht, versagte die von schwerer Krankheit gemartete Gesundheit (die Autopsie fand kaum noch ein gesundes inneres Organ) den Dienst.
Die Fortsetzung des Artikels ist nicht mehr verfügbar.
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Fortsetzung unter Rastatt '2' (nächste Unterseite)
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