Baukunst in Baden
  Wertheim
 

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Wertheim darf als besonderer Husarenstreich badischer Expansionspolitik des frühen 19. Jahrhunderts gelten. Als der Rauch der Kanonen- und Wortgefechte sich langsam verzog, die Ungetüme "Reichsdeputations-Hauptschluss", "Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" und endlich der "Wiener Kongress" ihr Werk ausgerichtet hatten, und aus den unzähligen geistlichen Territorien, Reichsstädten, Ritterschaften und kleinen und kleinsten Fürstentümern wenige, auch bei größerem Kartenmaßstab wahrnehmbare Herrschaften geformt wurden, da war im Südwesten Deutschlands eine lustig anzusehende Landmasse geformt worden. Der ergreifend anzusehende Fleckenteppich des mittelalterlichen Deutschen Reiches, welcher auch auf dem Gebiete des späteren Baden die merkwürdigsten und an Kleinheit kaum zu überbietenden Blüten getrieben hatte, wurde von Napoleon zu eigenen Zwecken zertrümmert und neu arrangiert, aber auch von der letztendlichen Siegerachse Russland, Preußen, Österreich und Großbritannien als sinnvoll erachtet.
     Die neue Übersichtlichkeit auf den Trümmern des Deutschen Reiches sorgte für unkomplizierte Einflusssphären, und die Nutznießer vor Ort machten ohnehin die geringsten Anstalten zur Rückkehr in die alte Kleinteiligkeit. Auch das Großherzogtum Baden gehörte zu ihnen und vermochte mit großem Geschick und zuletzt unter Schirmherrschaft des russischen Zaren württembergische Rhein-Begehrlichkeiten und bayrische Kurpfalz-Gelüste erfolgreich abzuwehren. Jene merkwürdige, launenhafte Landmasse Badens blieb also Bestand. Darüber konnte man sich schon verwundert die Augen reiben: ein Großherzogtum, überall lang und nirgendwo breit und zu allem Überfluss gebogen wie eine Banane; das Großherzogtum — die badische Banane.
     Während nun die Bodensee-Städte den unteren (südlichen) Zipfel der Banane ausfüllten, setzte Wertheim den Akzent im oberen Zipfel, als nördlichste aller badischen Städte. Während das benachbarte Hessen in einer handförmigen Bewegung "frech" nach dem Süden griff und tief in Baden hinein erst am Neckar Halt machte (Neckarsteinach und Hirschhorn sozusagen "hesste"), schwappte Baden umso weiter in den Norden, zwischen Bayern und Hessen hindurch an den Main und bekam dort eine ehemalige Residenzstadt zu fassen: Wertheim, bis 1803 Hauptsitz der sich nach der Stadt nennenden Grafen.
     Eine Residenzstadt also, eine von gleich mehreren Residenzstädten, die sich im Großherzogtum zusammenfanden und dabei eine ganz besondere (und dem glücklichen Stadtnamen ohne weiteres gerecht werdend!). Während nämlich die anderen wie z.B. Mannheim, Bruchsal, Rastatt oder auch Karlsruhe selbst in barockem Kleide wandelten, da zeigte sich Wertheim — nicht zu seinem Schaden — in einem noch im Mittelalter und in der Renaissance geschneiderten Gewand. 

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